Zugfedern: Aufbau, Funktionsweise, Werkstoffe und Auslegung

Wie funktionieren Zugfedern und wie wählt man das richtige Modell aus? Dieser Leitfaden liefert die wichtigsten Grundlagen.

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Roswitha Groiß
Federnsortiment

Zugfedern zählen neben Druckfedern zu den am häufigsten eingesetzten Federelementen im Maschinen- und Anlagenbau. Sie nehmen Zugkräfte auf, speichern dabei mechanische Energie und geben diese nach der Entlastung wieder ab. Dadurch bringen sie Bauteile in ihre Ausgangsposition zurück, halten Komponenten unter Vorspannung oder gleichen Bewegungen und Toleranzen aus.

Damit eine Zugfeder ihre Funktion dauerhaft und zuverlässig erfüllt, müssen Bauform, Werkstoff und Belastung optimal auf den jeweiligen Anwendungsfall abgestimmt werden. Dieser Leitfaden vermittelt die wichtigsten Grundlagen zu Aufbau, Funktionsweise und Auslegung von Zugfedern.

Wie ist eine Zugfeder aufgebaut?

Die im HENNLICH-Sortiment verfügbaren Zugfedern sind zylindrische Schraubenfedern aus Runddraht mit konstantem Drahtdurchmesser. Die Hauptbeanspruchung erfolgt entlang der Federachse. Die Krafteinleitung erfolgt über Ösen an beiden Federenden.

Unsere Normzugfedern werden gemäß DIN 2097, Gütegrad 2, gefertigt. Sie sind rechtsgewickelt und mit deutschen Ösen ausgestattet, die um 180° versetzt angeordnet sind. Neben diesen Standardausführungen sind auch weitere, in der DIN 2097 empfohlene Ösenformen sowie kundenspezifische Sonderlösungen auf Basis von Mustern oder Zeichnungen erhältlich.

Die Abmessungen der jeweiligen Zugfeder-Ausführungen finden Sie direkt im im PDF -Download des Federnkatalogs (S.94).

Wie funktioniert eine Zugfeder?

Im unbelasteten Zustand liegen die Windungen einer Zugfeder dicht aneinander. Dies ist auf die, bei der Fertigung eingebrachte, Vorspannkraft zurückzuführen. Erst wenn diese Vorspannkraft überwunden wird, beginnt sich die Feder zu verlängern.

Während der Dehnung speichert die Zugfeder mechanische Energie. Nach der Entlastung kehrt sie aufgrund ihrer elastischen Eigenschaften wieder in ihre ursprüngliche Länge zurück.

Die HENNLICH-Normzugfedern verfügen über eine lineare Federkennlinie. Das bedeutet, dass die Federkraft proportional zum Federweg zunimmt. Durch die vorhandene Vorspannkraft ist die Kennlinie jedoch gegenüber dem Ursprung verschoben und verläuft nicht durch den Nullpunkt. Eine höhere Vorspannkraft ermöglicht es häufig, bei gleicher Funktion eine kürzere Feder einzusetzen und dadurch wertvollen Bauraum einzusparen

Welche Werkstoffe kommen für Zugfedern zum Einsatz?

Der Werkstoff einer Zugfeder hat maßgeblichen Einfluss auf ihre Belastbarkeit, Korrosionsbeständigkeit und Lebensdauer.

Neben den Standardwerkstoffen Federstahl 1.1200 und Edelstahl 1.4310 kommen in vielen industriellen Anwendungen hochfeste Federstähle zum Einsatz. Diese zeichnen sich durch eine hohe Elastizität, Belastbarkeit und Dauerfestigkeit aus. Für feuchte oder korrosive Umgebungsbedingungen stehen rostfreie Federstähle sowie Federn mit geeigneten Oberflächenbehandlungen zur Verfügung.

Für Anwendungen unter erhöhten Temperaturen oder in besonders aggressiven Medien können darüber hinaus Spezialwerkstoffe wie Nickelbasislegierungen eingesetzt werden.

Die Auswahl des geeigneten Werkstoffs hängt von verschiedenen Faktoren ab. Dazu zählen insbesondere die Umgebungsbedingungen, die auftretenden Belastungen sowie die geforderte Lebensdauer beziehungsweise die Anzahl der zu erwartenden Lastwechsel.

Warum ist die Ösenform so wichtig?

Die Federenden werden bei der Auslegung von Zugfedern häufig unterschätzt. Tatsächlich treten die höchsten Spannungen meist im Übergangsbereich zwischen Federkörper und Öse auf. Insbesondere bei dynamischen Belastungen hat dieser Bereich einen entscheidenden Einfluss auf die Lebensdauer und Betriebssicherheit der Feder.

Die Wahl der geeigneten Ösenform sollte daher bereits in der Konstruktionsphase berücksichtigt werden. Neben den standardmäßigen deutschen Ösen stehen zahlreiche weitere Ausführungen zur Verfügung, die optimal an die jeweilige Einbausituation und Belastungsart angepasst werden können.

Für spezielle Anwendungen sind darüber hinaus kundenspezifische Ösenformen möglich. Diese werden nach Zeichnung, Muster oder individuellen Anforderungen gefertigt und ermöglichen eine optimale Anpassung an die jeweilige Anwendung.

Welche Fehler können zu einem vorzeitigen Ausfall von Zugfedern führen?

Eine ungeeignete Auslegung oder ungünstige Betriebsbedingungen können die Lebensdauer von Zugfedern erheblich verkürzen. Zu den häufigsten Ursachen zählen:

Überdehnung

Wird eine Zugfeder über ihren zulässigen Arbeitsbereich hinaus belastet, kann sie ihre elastischen Eigenschaften dauerhaft verlieren. Dies führt zu bleibenden Verformungen und einer Beeinträchtigung der Funktion.

Materialermüdung

Bei hohen Lastwechselzahlen können sich Mikrorisse im Werkstoff bilden. Mit zunehmender Beanspruchung wachsen diese an und können schließlich einen Federbruch verursachen.

Korrosion und Oberflächenschäden

Bereits geringe Oberflächenbeschädigungen, Korrosionsangriffe oder Verschleißspuren können kerbwirksam sein. Die daraus resultierenden lokalen Spannungsspitzen reduzieren die Dauerfestigkeit und erhöhen das Risiko eines vorzeitigen Ausfalls.

Falsche Krafteinleitung

Werden die Ösen schräg belastet oder treten zusätzliche Biegekräfte auf, erhöht sich die Beanspruchung im ohnehin kritischen Übergangsbereich zwischen Federkörper und Öse. Dies kann die Lebensdauer der Feder deutlich verringern.

Resonanz und Eigenschwingungen

Kritisch wird es, wenn die Anregungsfrequenz einer Anwendung in die Nähe der Eigenfrequenz der Zugfeder gelangt. In diesem Fall können Resonanzerscheinungen auftreten, die zu erhöhten Schwingungsamplituden, Geräuschentwicklung, verstärktem Verschleiß oder sogar zu einem vorzeitigen Federbruch führen.

Welche Vorteile bieten Zugfedern?

Zugfedern überzeugen durch ihre einfache Bauweise, ihre hohe Wirtschaftlichkeit und ihre vielseitigen Einsatzmöglichkeiten. Dank ihrer linearen Federkennlinie lassen sich Kräfte präzise berechnen und reproduzierbar einsetzen. Verschiedene Ösenformen ermöglichen eine optimale Anpassung an unterschiedlichste Einbausituationen und konstruktive Anforderungen.

Die bei der Fertigung eingebrachte Vorspannkraft trägt dazu bei, Bauraum einzusparen, da die Feder erst ab einer definierten Zugkraft wirksam wird. Dadurch lassen sich auch kompakte Konstruktionen zuverlässig realisieren.

Für kurzfristige Reparaturen, Prototypen oder Übergangslösungen stehen zudem Zugfederstränge zur Verfügung. Diese können entsprechend dem Bedarf abgelängt und die Ösen gebogen werden. Darüber hinaus werden Zugfederstränge häufig als Knickschutz für Schläuche, Kabel oder Leitungen eingesetzt.

Worauf sollte bei der Auswahl geachtet werden?

Bei der Auswahl einer geeigneten Zugfeder sind neben den Abmessungen, wie Länge und Durchmesser, vor allem die erforderliche Federkraft, der Arbeitsweg, die zu erwartende Anzahl an Lastwechseln sowie die Umgebungsbedingungen zu berücksichtigen. Diese Faktoren beeinflussen maßgeblich die Funktion, Lebensdauer und Betriebssicherheit der Feder.

Ebenso sollte die passende Ösenform frühzeitig festgelegt werden, da sie sowohl die Montage als auch die Belastbarkeit und Lebensdauer der Zugfeder beeinflusst.

Eine sorgfältige Auslegung stellt sicher, dass die Feder den Anforderungen der Anwendung dauerhaft gerecht wird, und hilft, vorzeitige Ausfälle sowie ungeplante Stillstände zu vermeiden.

Zugfedern von HENNLICH

HENNLICH bietet ein umfangreiches Sortiment an Zugfedern nach DIN 2097 sowie Zugfederstränge für unterschiedlichste industrielle Anwendungen. Neben einem breiten Programm an Standardabmessungen sind auch kundenspezifische Sonderanfertigungen mit individuellen Ösenformen, speziellen Werkstoffen und maßgeschneiderten Abmessungen realisierbar.

Bei der Auswahl der geeigneten Zugfeder unterstützt HENNLICH bereits in der Konstruktionsphase. Gemeinsam werden die Anforderungen hinsichtlich Federkraft, Arbeitsweg, Belastung, Lebensdauer und Umgebungsbedingungen analysiert, um die technisch und wirtschaftlich optimale Lösung zu finden.

Auf Basis langjähriger Erfahrung und umfassender Anwendungskompetenz hilft HENNLICH dabei, typische Auslegungsfehler zu vermeiden und die Feder optimal an die jeweilige Einbausituation anzupassen. Das sorgt für eine hohe Betriebssicherheit, eine lange Lebensdauer der Feder und einen zuverlässigen Einsatz im täglichen Betrieb.

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Zugfedern / Zugfederstränge Edelstahl 1.4310
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Zugfedern / Zugfederstränge Federstahl 1.1200
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Roswitha Groiß, Gruppenleitung Federntechnik

Roswitha Groiß

Gruppenleitung Federntechnik

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